Römer 9,30-10,13  
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Römer 9,30-10,13

1.   «Was sollen wir nun sagen?» (Römer 9,30a). Oder: Zu welchem Ergebnis sind wir gelangt? Der Apostel zieht nun die Schlussfolgerung aus den vorangehenden Ausführungen. «Dass die von den Nationen ____________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ _____________________________________________________________ » (Verse 30b.31). Auf dem Boden des Gesetzes stehend, hatten die Israeliten nach einer äusseren, gesetzlichen Gerechtigkeit gestrebt und doch keine wahre Gerechtigkeit erlangt. Dagegen war auf einer gerechten Grundlage die Gnade Gottes gegen solche überströmend geworden, die fern von Gott in der Finsternis ihrer Herzen dahingingen. Heiden, die «ohne Hoffnung» in der Welt standen und der Gerechtigkeit keineswegs nachstrebten, hatten umsonst Gerechtigkeit erlangt, und zwar eine solche aus Glauben. Diese war und ist erreichbar für alle Menschen, die zu der Gnade ihre Zuflucht nehmen, seien sie nun aus den Heiden oder aus Israel.

2.   Warum waren die Juden nicht zur Gerechtigkeit gelangt? «Weil es nicht ______________ _________________________________________________________ » (Vers 32a). In ihrem Hochmut glaubten sie, den heiligen Gott mit ihren gesetzlichen Werken befriedigen zu können.

3.   Stolz auf ihre nationalen Vorzüge und ihre vermeintliche Gerechtigkeit hatten sich die Juden an Christus, dem Stein, den Gott in Gnaden in Zion gelegt hat, gestossen, wie es in den Versen 32b und 33 heisst: «Sie haben sich gestossen ______________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________ ». Hätten Sie nicht einen solchen Heiland dankbar begrüssen sollen? Stattdessen war Er ein «Stein des Anstosses» für sie geworden. Anstatt an Ihn zu glauben und so seiner «Kostbarkeit» teilhaftig zu werden (1. Petrus 2,7), hatten sie sich an Ihm gestossen.

4.   Genau das hat der Prophet Jesaja vorausgesagt. Das Kommen des Messias würde zwei Folgen haben. Für einen Teil des Volkes würde Er «ein Stein des Anstosses und ein Fels des Ärgernisses» werden (Jesaja 8,14). Einige würden an Ihn glauben und würden nicht enttäuscht werden (Jesaja 28,16). Es ist interessant, wie der Apostel Paulus am Ende von Römer 9 die beiden Aussprüche des Propheten Jesaja miteinander verbindet.

Kapitel 10,1-13

5. Im 9. Kapitel des Römerbriefes sind uns die unumschränkten Ratschlüsse Gottes in Bezug auf das Volk Israel vorgestellt worden. Dabei lenkte Gott unseren Blick zurück auf seine Wege mit seinem irdischen Volk in der Vergangenheit. Das 10. Kapitel vermittelt uns vor allem einen Überblick über die Wege Gottes mit Israel während der gegenwärtigen Zeitperiode.

6. «Brüder! das Wohlgefallen meines Herzens _____________________________________ ___________________________________________________________________________ _______________________________________________________________ » (Verse 1-2). Trotz der unabänderlichen Ratschlüsse Gottes und seiner Gerichte über Israel bleibt das Herz des Apostels, der mit einer innigen Liebe an seinem Volk hing, mit den Gedanken an dessen Errettung beschäftigt. Diese blieb der Gegenstand seines Wohlgefallens und seines Gebets zu Gott. Die Liebe des Apostels Paulus für sein Volk zeigt sich auch darin, dass er auf eine sehr zarte Weise über dessen Zustand redet, indem er diesen nicht der Bosheit, sondern einem unrichtigen Eifer für Gott zuschreibt, einem Eifer, der nicht mit der wahren Erkenntnis Gottes verbunden war.

7.   «Denn da sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkannten ____________________________ ___________________________________________________________________________ __________________________________________________________________ » (Vers 3). Der Apostel geht hier einen Schritt weiter als am Ende des vorigen Kapitels. Hörten wir dort, dass Israel vergeblich nach Gerechtigkeit gestrebt habe, so wird uns hier gesagt, dass sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannt und sich ihr nicht unterworfen hätten.

8.   Gottes Gerechtigkeit hat sich darin offenbart und erwiesen, dass Gott Christus, nachdem Er am Kreuz zur Sünde gemacht war, und Gott durch Ihn- völlig verherrlicht worden ist, aus den Toten auferweckt, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt und die Erlösten Ihm geschenkt hat als Frucht der Mühsal seiner Seele. Und in 2. Korinther 5,21 lesen wir: «Den, der Sünde nicht kannte, _____________________________________________________________________ _________________________________________________________________________ ». Indem die Juden nun eine eigene, menschliche Gerechtigkeit aufzurichten trachteten, hatten sie bewiesen, dass sie mit der Gerechtigkeit Gottes völlig unbekannt waren und sich nicht vor ihr gebeugt hatten. Sich stützend auf eine Religion des Fleisches, auf äussere Vorzüge als Gottes irdisches Volk, gründeten sie ihre Hoffnungen auf eigenes Verdienst und verwarfen damit den einzigen Weg, auf dem Gott auf einer gerechten Grundlage den Menschen rechtfertigen oder gerecht sprechen kann. Der törichte, ruhmsüchtige Mensch gefällt sich darin, einer eigenen Gerechtigkeit nachzustreben, sich mit selbst verfertigten Lumpen zu behängen, anstatt das ihm von Gott umsonst angebotene Kleid göttlicher Gerechtigkeit anzunehmen und sich so seiner Gerechtigkeit dankbar zu unterwerfen.

9.   «Denn Christus ___________________________________________________________ ___________________________ » (Vers 4). Diesen Vers dürfen wir nicht etwa so verstehen, dass das Gesetz jegliche Bedeutung verloren habe. Nach wie vor hat es die Aufgabe, zur Erkenntnis der Sünde zu führen (vergleiche Römer 3,20). Vielmehr hat Christus mit dem Gesetz als einem Mittel, Gerechtigkeit zu erlangen, ein für allemal ein Ende gemacht. Dem Glaubenden wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.

10. Gesetz und Glauben sind zwei total verschiedene Dinge. Mose beschreibt die Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz ist: «Der Mensch, ____________________________________________ ______________________________________ » (Vers 5). Das Gesetz kennt nur ein Tun, ein Erfüllen seiner Gebote. Das liegt völlig in seiner Natur: denn «das Gesetz ist heilig, und das Gebot ist heilig, gerecht und gut» (Römer 7,12).

11. Wie ganz anders aber spricht die Gerechtigkeit, die aus Glauben ist! Um das näher auszuführen, bezieht sich der Apostel auf eine Stelle im 5. Buch Mose, mit der wir uns ein wenig näher beschäftigen müssen. Wir finden diese Stelle in Kapitel 30, Verse 12-14. Paulus zitiert diese Stelle in Römer 10,6-8a: «Die Gerechtigkeit aus Glauben aber spricht so: ___________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ __________________? Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen». Das Interessante an diesem Zitat ist die Tatsache, dass der Inhalt dieser Verse sich im 5. Buch Mose nicht auf den Glauben und das Evangelium beziehen, sondern auf das Gesetz, und zwar insbesondere auf das Gebot, von ganzem Herzen und von ganzer Seele zum Herrn zurückzukehren (5. Mose 30,10b). Gott sagt, dass das Gesetz weder versteckt, noch entfernt, noch unerreichbar ist. Der Mensch muss nicht in den Himmel hinaufsteigen oder das Meer überqueren, um es zu finden. Es ist nahe und wartet darauf, dass man ihm gehorcht. Doch der Apostel wendet hier diese Worte auf das Evangelium an. Wer die Gerechtigkeit erlangen will, muss nicht in den Himmel hinaufsteigen, um Christus herabzuführen. Einmal wäre das ausgesprochen unmöglich, aber es wäre ausserdem unnötig, weil Christus selber auf diese Erde gekommen ist, um das Erlösungswerk zu vollbringen.

12. Bei 5. Mose 30,13 verändert der Apostel im Zitat den Text. Statt: «Wer wird für uns jenseits des Meeres hinüberfahren…?» führt er an: «Wer wird in den Abgrund hinabsteigen?» Er will damit sagen, dass das Evangelium die Menschen nicht auffordert, in das Grab hinabzusteigen, um Christus aus den Toten heraufzuführen. Das wäre nicht nur unmöglich, sondern auch unnötig, weil Christus schon aus den Toten auferstanden ist.

13. Es bedarf keiner grossen Anstrengungen oder umfassenden Vorkehrungen, nicht mühsamer Reisen und dergleichen, um Christus zu finden. «Das Wort ist dir nahe, ______________ ___________________________________________ ; das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen» (Römer 10,8). Das Wort vom Kreuz wird allen umsonst gepredigt. Es fragt sich nur, ob wir es gläubig aufnehmen wollen oder nicht.

14. «Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen, ______________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ __________________ , und mit dem Mund wird bekannt zum Heil» (Verse 8b-10).

Hier fasst Paulus das durch ihn gebrachte Evangelium noch einmal kurz zusammen. Die Botschaft drängt auf zwei Dinge:

     a) auf ein Bekenntnis mit dem Mund, dass Jesus mein Herr ist. Das bedeutet, dass ich mich

         öffentlich auf die Seite und unter die Autorität Christi stelle

     b) auf einen Glauben mit dem Herzen. Das führt zur Rechtfertigung, zum Heil

Die hier gewählte Reihenfolge «Mund» und dann erst «Herz» ist 5. Mose 30,14 entlehnt. Daher spricht der Apostel in Vers 9 zuerst über das Bekenntnis und dann erst über den Glauben. In Vers 10 ist die Reihenfolge umgekehrt. Doch so sehr ein echtes Bekenntnis mit dem Mund den Herrn verherrlicht, ein blosses Lippenbekenntnis ohne Herzensglaube wäre weniger als wertlos. Es würde nur unsere Verantwortlichkeit vermehren. Ohne wahren Herzensglauben gibt es keine Errettung, kann das Heil niemals erworben werden. Doch wer den Herrn Jesus im Glauben als seinen Retter angenommen, mit dem Herzen geglaubt hat «zur Gerechtigkeit», darf Ihn freudig mit seinem Mund bekennen vor den Menschen, «zum Heil». Inwiefern «zum Heil»? Ist es nicht so, dass jedes Bekenntnis seines Namens, wenn es auf den Glauben im Herzen gegründet ist, beim Bekennenden eine heilsame Wirkung hat, indem es das Glück des Herzens vermehrt? Der Glaube beweist durch ein solches Bekenntnis seine Echtheit und wird dadurch wiederum selbst belebt und gestärkt.

15. «Denn die Schrift sagt: _____________________________________________________ ______________________________ » (Vers 11; vergleiche Jesaja 28,16). Darum darf jeder, der im Licht Gottes seinen verdorbenen Zustand erkannt und seine Zuflucht zu Jesus genommen hat, seiner Errettung gewiss sein.

16. Wenn das aber so ist, wenn das Heil in Christus einem jeden gehört, der Ihn im Glauben angenommen hat, dann muss das für alle Menschen, ob Juden oder Heiden, Gültigkeit haben. So ist es tatsächlich: «Denn es ist kein Unterschied __________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ _____________________________________________________________ » (Verse 12-13).

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  Letzte Änderung am 18.04.2004.