Römer 9,14-21  
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Römer 9,14-21

In Römer 9,11-13 hat der Apostel Paulus gezeigt, dass die natürliche Abstammung von Abraham nicht ausreichte, um den Segen Abrahams zu empfangen. Sonst hätten Ismael und vor allem Esau ebenfalls Anspruch darauf gehabt. Aus dem Beispiel von Jakob und Esau geht deutlich hervor, dass das Erbrecht – ausser von der Geburt – von Gottes souveräner Wahl abhing. Dieser Erwählung hatte es Jakob zu verdanken, dass er Esau vorgezogen wurde. Das ist aber nicht alles. Wir werden in dem Schriftabschnitt, der unserer Lektion zugrunde liegt, sehen, dass in den Wegen Gottes mit den Menschen, in unserem Fall mit dem Volk Israel, noch etwas anderes eine entscheidende Rolle spielt: nämlich Gottes Barmherzigkeit.

1.   Das natürliche Herz mag im Hinblick auf die Lehre von der Auserwählung fragen: «Ist etwa________________________________________?» (Vers 14). Der Apostel erwidert mit einem entschiedenen «Das sei ____________ ». Denn wenn Gott auf dem Weg der Gerechtigkeit mit dem durch die Sünde verderbten Menschen handelt, ist er völlig verloren. Deshalb hat auch kein Mensch ein Recht, sich über Gott zu beschweren, weil Er seinen unumschränkten Willen an denen ausübt, die ganz unter der Sünde liegen. Mag Er Gnade oder Gericht erweisen, kein Mund kann sich gegen Ihn auftun. Keiner kann sagen: «Du handelst nicht gerecht.» Sowohl in seiner unumschränkten Gnade als auch in seinem Gericht gegen Gottlose steht Gott immer verherrlicht da!

2.   Der Apostel stellt nun an zwei Beispielen die Souveränität oder Unumschränktheit Gottes noch klarer ans Licht. Zuerst zeigt er die freie Gnadenerweisung Gottes an einem schuldbeladenen und todeswürdigen Volk, und dann sein gerechtes Gericht an dessen Feind.

3.   Wann war es, als Gott zu Mose sagte: «Ich werde begnadigen, ______________________ ___________________________________________________________________________ ________________________________ » (Vers 15)? Es war zu der Zeit, als Gott, wenn Er in Gerechtigkeit handeln wollte, das Volk Israel in der «Glut seines Zornes» hätte vollständig vernichten müssen. Nach 2. Mose 32 und 33 war das Volk Israel zu diesem Zeitpunkt von dem wahren Gott abgewichen und hatte sich ein goldenes Kalb gemacht und gesagt: «Das sind deine Götter, ______________________________________________________________________ __________________ » (2. Mose 32,8).

4.   Aber Mose trat in rührender Weise für das Volk ein und erinnerte Gott an die den Vätern gegebenen Verheissungen. Auf die Fürbitte Moses hin «gereute es _____________________ ____________________________________________________________ » (2. Mose 32,14). Wenn Gott auch das Volk schlagen musste (Vers 35), so vernichtete Er es doch nicht, sondern erbarmte sich seiner. Er schenkte der Fürbitte Moses Gehör und zog sich gleichsam auf den Boden seiner unumschränkten Gnade zurück.

5.   Wie wunderbar ist das alles! Wenn der Mensch hoffnungslos verloren ist aufgrund seines Tuns, wenn die Gerechtigkeit Gottes nur Zorn und Gericht über ihn bringen kann wegen seines Ungehorsams und seiner Sünde, hat Gott doch noch Hilfsquellen in sich, zu denen Er Zuflucht nehmen kann. Vorausblickend auf den kommenden und grossen Mittler, der hier in Mose ein so liebliches Vorbild findet, konnte Gott Gnade und Barmherzigkeit üben, und zwar an wem Er wollte, nach dem Vorsatz seiner freien, bedingungslosen Gnade.

6.   «Also liegt es nun nicht _____________________________________________________ _________________________________________________________________ » (Vers 16). Israel hatte voller Begeisterung das Halten des Gesetzes versprochen (2. Mose 19,8; 24,7), und kaum hatte es mit dem Lauf begonnen, war es schon wieder gestrauchelt. Es gab also für das Volk Israel – und das gilt auch heute für uns alle – keine andere Zuflucht als den begnadigenden Gott!

7.   Der Fall des Pharao liefert uns das zweite Beispiel für das souveräne Handeln Gottes. Vergessen wir nicht, Gott ist nicht nur «Liebe», sondern auch «Licht» (1.Johannes 4,8; 1,5), mit anderen Worten: Er übt nicht nur Barmherzigkeit, sondern auch Gericht. Wenn die Gnade Gottes abgelehnt wird, ist Gericht die Folge. «Denn die Schrift sagt zum Pharao: __________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ____________________________________ » (Vers 17). Der Pharao war bereits böse, bevor Gott durch Mose und Aaron zu ihm redete. Und als Gott zu ihm sagen liess: «So spricht der Herr, der Gott Israels: Lass mein Volk ziehen, dass sie mir ein Fest halten in der Wüste!», widersetzte er sich dem Willen Gottes und antwortete hochmütig: «Wer ist der Herr, auf dessen Stimme ich hören soll, Israel ziehen zu lassen? Ich kenne den Herrn nicht» (2.Mose 5,1.2). Gott erwies ihm viel Gnade, gab ihm viele Gelegenheiten zur Umkehr. Aber immer wieder verhärtete und verstockte er sein Herz, bis schliesslich Gott sein Herz verhärtete.

8.   Gott war willens, diesen bösen und eigenwilligen Mann, der Gott und sein Volk verachtete, zu einem Denkmal seiner Macht und seiner Gerichte zu machen. Gott hat ihn nicht dazu zuvorbestimmt, böse zu sein. Da er es aber war und jede Warnung in den Wind schlug, nahm Gott die Bosheit dieses Menschen zum Anlass, um allen Menschen zu zeigen, dass man Ihm nicht ungestraft widerstehen kann. Gott ist auch darin souverän oder unumschränkt, sich im Gericht zu verherrlichen. Nehmen wir doch das alles zu Herzen, auch wir, die wir die Gnade Gottes erfahren haben! Gewiss ist auch für Gott Gericht ein fremdes Werk. Jesaja 28,21b: «… wie im Tal bei Gibeon wird er zürnen: ________________________________________ ___________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________ ». Er ist «… langsam zum Zorn und gross an Güte» (Psalm 103,8). Wenn aber seine Gnade verschmäht wird, muss und wird Er mit Gericht antworten. Er müsste sonst sich selbst aufgeben, müsste aufhören, Gott zu sein. Sowohl Israel als auch der Pharao waren böse. Wenn es einfach nur um die Gerechtigkeit gegangen wäre, hätte Gott sie beide verdammen und richten müssen. Aber es war sein Wille, die einen zu begnadigen. Konnte Ihm dies jemand verwehren? Und es war gleichermassen sein Wille, den anderen zu verhärten. Ist Er darin ungerecht? Beides ist der Ausdruck der Souveränität Gottes. Er ist frei, so oder so zu handeln. Das müssen wir unbedingt anerkennen, wenn wir uns nicht versündigen wollen gegen Gott.

9.   «Du wirst nun zu mir sagen: _________________________________________________ ___________________________________________________ ?» (Vers 19). Dieser Einwand könnte auch mit folgenden Worten zum Ausdruck gebracht werden: Wenn Gott begnadigt, wen Er will, was kann ich dann dazu beitragen? Und wenn Er verhärtet, wen Er will, was kann ich dagegen tun? Der Einwand mag scheinbar begründet sein. Warum tadelt Gott noch? Wenn alles sich schliesslich seinem Willen und Ratschluss unterwerfen muss, so kann der Mensch für das Endergebnis doch nicht verantwortlich gemacht werden! Das erinnert uns unwillkürlich an die Entschuldigungen des ersten Menschenpaares nach dem Sündenfall. Auch damals versuchten Adam und Eva die Verantwortung für das Vorgefallene Gott zuzuschieben. Die Schlussfolgerung des natürlichen Menschen war damals und ist heute noch dieselbe: Gott ist schuldig und nicht der Mensch!

10. Noch einmal sei es gesagt, dass alle diese Fragen und Schlussfolgerungen einerseits die Herrlichkeit Gottes ausser Acht lassen und andererseits die Verantwortlichkeit des Menschen als Gottes Geschöpf vergessen. Gottes unumschränkter Vorsatz – und wie wäre Er Gott, wenn Er nicht unumschränkt oder souverän wäre? – hebt die Verantwortlichkeit des Menschen keineswegs auf. Nehmen wir als erläuterndes Beispiel das Kreuz. Der bestimmte Ratschluss, dass Jesus Christus leiden sollte, war schon vor Grundlegung der Welt gefasst; Gott hatte Jesus zuvorbestimmt, das Lamm zu werden, das die Sünde der Welt wegnimmt. Aber verminderte das irgendwie die Schuld des Menschen? Nicht im Geringsten! Juden und Heiden fanden sich an jenem Tag zusammen und wurden Freunde in ihrer gemeinsamen Feindschaft gegen Gott und seinen Gesalbten. Und obwohl ihr Tun die Stimme der Propheten erfüllte und Gott Gelegenheit gab, sein heiliges Urteil über die Sünde zu vollziehen und das wunderbare Werk seiner Gnade auszuführen, waren und blieben diese Menschen doch der Verwerfung und Ermordung des Sohnes Gottes schuldig (vergleiche Apostelg. 2,22.23).

11. «Wer bist du denn, o Mensch, ________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________ ?» (Vers 20). Diese Frage am Ende des 20. Verses aus dem Mund eines Menschen Gott gegenüber sagt letztendlich nichts anderes als dies: Gott hat kein Recht, das Böse zu richten, und wenn Er nicht alle begnadigen und retten will, so darf Er wenigstens niemand bestrafen.

12. Lasst uns also bedenken: Hinter all diesen Fragen und Schlussfolgerungen des natürlichen Menschen im Hinblick auf die Souveränität und den Vorsatz Gottes verbirgt sich der Versuch, sich aus der Verantwortung Gott gegenüber wegzustehlen und die eigenen Sünden zu entschuldigen!

Es ist immer unheilvoll, die beiden Linien miteinander zu vermischen - die Souveränität Gottes und die Verantwortlichkeit des Menschen.

13. «Oder hat der Töpfer nicht Macht über den Ton, _________________________________ ___________________________________________________________________________ ________________ ?» (Vers 21). Man könnte sich fragen: Liegt in den Worten des Apostels, dass der Töpfer nach seinem Belieben aus demselben Ton ein Gefäss zu Ehre und ein anderes zur Unehre zu machen vermag, nicht doch eine Bestätigung dessen, was man Gott zum Vorwurf macht? Tatsächlich ist die Sprache des Apostels kühn, und selbst verständige Männer und einsichtsvolle Ausleger des Wortes Gottes sind an dieser Stelle irre geworden, indem sie vergassen, dass dem Schreiber zunächst nur daran lag, die Unumschränktheit Gottes in ihrer ganzen Unverletzlichkeit aufrecht zu halten, und es übersahen, dass wir gar keine Anhaltspunkte haben, die besagen, dass Gott je von seinem Recht Gebrauch gemacht hat, ein Gefäss zur Unehre zu machen. Wohl ist der Schöpfer souverän, und er kann, wenn es Ihm gefällt, aus derselben Masse ein Gefäss zur Ehre und ein anderes zur Unehre machen. Ja, wenn Er will, kann Er auch ein Gefäss zur Unehre machen! Es wird zwar hier mit keinem Wort gesagt, dass Er es tatsächlich tut. Aber das ist sein absolutes Recht als Schöpfer-Gott, und kein Mensch hat die Befugnis oder die Macht, es Ihm abzusprechen.

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  Letzte Änderung am 18.04.2004.