Römer 10,14-11,10  
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Römer 10,14-11,10

1.   Wir haben am Ende der vorangehenden Lektion festgestellt, dass sich der im Evangelium offenbarte Reichtum der Gnade Gottes unterschiedslos allen Menschen zuwendet, die bussfertig zum Herrn Jesus als zu ihrem Heiland kommen, ganz gleichgültig, ob es sich um Juden oder solche aus den Nationen (Heiden) handelt, Um das zu besiegeln, zitiert der Apostel eine Stelle aus dem Propheten Joel (Kapitel 3,5; in der alten Elberfelder-Übersetzung Kap. 2,32): «Und es wird geschehen, _____________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ _______________________________ .» In künftigen Tagen werden die gläubigen Israeliten die gute Botschaft des Friedens überallhin tragen. Die Errettung, von der hier die Rede ist, wird weit über die Grenzen von Juda und Israel hinausgehen. «Jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.» Und in Johannes 3,16 lesen wir: «… damit jeder, der an ihn (Jesus Christus) glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.» Sowohl in gegenwärtigen wie in künftigen Tagen ist die Tür offen für jeden, der von dem Angebot des Heils Gebrauch macht, welchem Volk er auch angehören mag. Wir wollen aber auf einen Unterschied zwischen Johannes 3,16 und Joel 3,5 resp. 2,32 aufmerksam machen. Die Segnungen der Kirche, zu der jeder gehört, der während der gegenwärtigen Gnadenzeit an den Herrn Jesus Christus glaubt, haben einen himmlischen Charakter, währenddem die Errettung in Joel auf die Erde Bezug hat.

2.   «Wie werden sie nun den anrufen, ___________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ________________________________ » (Römer 10,14)? Wir haben gesehen, dass das Heil Gottes für alle Menschen ist, d.h. für alle, die Ihn anrufen. Das Anrufen des Namens des Herrn ist aber von der Tatsache abhängig, dass man von Dem gehört hat, den man anrufen soll. Und wie kann man glauben, wenn man vom Gegenstand des Glaubens nie gehört hat? Es ergibt sich somit die Notwendigkeit der Predigt des Evangeliums.

3.   «Wie aber werden sie predigen, _____________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ _________________________________________________________________ » (Vers 15). Die Verkündigung der guten Botschaft geschieht durch solche, die gesandt werden. Es ist wichtig, hier zu unterstreichen, dass Gott es ist, der seine Boten zur Verkündigung des Evangeliums aussendet. Das Evangelium wird hier das «Evangelium des Guten» bzw. «des Friedens» genannt. Der Mensch von Natur hat keinen Frieden mit Gott. Jesus aber hat mittels seines Sühnungsopfers am Kreuz Frieden gemacht. Kolosser 1,20: «indem er _____________ _____________________________ durch das Blut seines Kreuzes.» Die Stelle Römer 10,15 ist ein Zitat aus Jesaja 52,7. Der Apostel Paulus wendet sie auf unsere Tage an, auf die Gnadenzeit, in der die Versammlung oder Gemeinde, die Gemahlin des Lammes, aus allen Völkern der Erde gesammelt wird. Unter dem Gesetz konnten unmöglich solche Friedensboten zu den Völkern der Erde ausgehen. Israel wird erst dann ein Missionsvolk werden, wenn es für sich selbst die Gnade Gottes in Christus Jesus angenommen hat. Hat einmal das Licht der Gnade Gottes in die Herzen dieses Volkes hineingeleuchtet. so werden die Sendboten aus Israel, die «Brüder» des Herrn (Matthäus 25,40), einen Eifer in der Verkündigung des Evangeliums entfalten, wie ein solcher nie vorher gesehen worden ist. Die ganze Erde wird voll werden von der Erkenntnis des Herrn. Jesaja 11,9: «Man wird nichts Böses tun, ___________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________ .»

4.   «Aber nicht alle ___________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ _______________ » (Vers 16)? Paulus muss die schmerzliche Mitteilung machen, dass Israel als Volk dem Evangelium nicht gehorcht hat. «Nicht alle» – leider nur Einzelne – haben die Botschaft angenommen. «Also ist der Glaube ______________________________________ _________________________________________________________________ » (Vers 17). Und diese Verkündigung war an Israel ergangen. Die Juden hatten das Wort Gottes gehört, aber nicht angenommen; sie waren also ohne Entschuldigung.

5.   «Aber ich sage: Haben sie etwa nicht gehört? O doch! Ihr Schall ____________________ ___________________________________________________________________________ ______________________ » (Vers 18). Die Verkündigung der Wahrheit hatte stattgefunden. Israel war ohne Entschuldigung, aber nicht allein Israel, sondern auch die Heiden. Um das zu beweisen, führt Paulus Worte aus dem Alten Testament an, auf das die Juden so stolz waren. Der 19. Psalm, aus dem diese Worte stammen, redet von zwei Zeugnissen Gottes, von seiner Schöpfung und von seinem Wort. Israel hatte beide Zeugnisse nicht angenommen. Das ist aber nicht der Hauptgedanke, den der Apostel Paulus durch dieses Zitat aus dem Alten Testament hervorheben will. Er will vor allem den Juden hiermit zeigen, dass Gott nicht allein zu ihnen, sondern auch zu den Heiden gesprochen hat, dass sein Zeugnis bis zu den «Grenzen des Erdkreises» gelangt ist; es galt also Juden und Heiden. Mochte Israel auch die heidnischen Völker verachten, Gott hatte von jeher bewiesen, dass Er in seinem Erbarmen auch ihrer gedenken und von ihnen erkannt werden wollte.

6.   Aber ich sage: Hat Israel es etwa nicht erkannt? ________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ____________ » (Vers 19). Hat Israel es tatsächlich nicht gewusst, dass dieses Zeugnis auch zu den Heiden kommen würde, dass die Verkündigung der Gnade auch ihnen zuteil würde, um sie in Verbindung mit Gott zu bringen? Gewiss, denn Mose hat schon gesagt, dass Gott sein Volk eifersüchtig machen würde durch seine Gnadenwege mit einem «Nicht-Volk» und einer «unverständigen Nation» – eine nicht misszuverstehende Anspielung auf die Heiden.

7.   Jesaja, der grösste aller alttestamentlichen Propheten, hatte sich sogar erkühnt zu sagen, dass Gott sich finden lassen würde von denen, die Ihn nicht suchten. «Jesaja aber erkühnt sich und spricht: _________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ________________________________________________ » (Vers 20). Von Israel dagegen musste er sagen: «Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt __________________ _________________________________________________________________ » (Vers 21). Es erhebt sich unweigerlich die Frage: Was folgt aus dieser ablehnenden Haltung des Volkes Israel? Hat etwa Gott sich von seinem Volk endgültig abgewandt? Die ausführliche Beantwortung dieser Frage bringt uns das 11. Kapitel.

Kapitel 11,1-10

8.   «Ich sage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstossen? ______________________________ ___________________________________________________________________________ ____________________________ . Gott hat sein Volk nicht verstossen, das er zuvorerkannt hat» (Verse 1.2a). Wie in den ersten Versen des 9. und 10. Kapitels weht uns auch hier wieder der warme Hauch der Liebe des Apostels zu seinen Volksgenossen wohltuend entgegen. War Israel trotz all seines Unglaubens nicht das von Gott zuvorerkannte Volk? Gehörten ihm nicht die Verheissungen, die Abraham, ihrem Vater, im Anfang gemacht worden waren? Und waren Gott nicht im Voraus alle die bösen Wege, die das Volk gehen würde, bekannt gewesen? Gewiss! Und trotzdem hatte Er es berufen und wohl oft und ernst gezüchtigt, aber nie verworfen. Sollte Er es jetzt endgültig verstossen haben? Unmöglich!

9.   Für diese Unmöglichkeit führt der Apostel drei Beweise an. Der erste Beweis war er selbst, denn auch er war «ein Israelit aus dem Samen Abrahams …». Gott hatte den ganzen Reichtum seiner Gnade und Langmut an ihm, dem ehemaligen bittersten Feind des Namens Jesu, erwiesen. Hätte Gott sein irdisches Volk ganz und gar verstossen, so hätte dieses Gericht zuallererst ihn treffen müssen.

10. Zweiter Beweis: Der Apostel Paulus war nicht das einzige Denkmal der göttlichen Gnade. Schon in früheren Zeiten hatte Gott in ähnlicher Weise Gnade erwiesen, «Oder wisst ihr nicht, was die Schrift in der Geschichte Elias sagt? _______________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ _______________________________________________________________ » (Verse 2a-4). Der entmutigte Prophet hatte damals auch gemeint, Gott habe sein Volk dahingegeben, und er sei als der einzige Anbeter Gottes übrig geblieben. Aber wie rührend war die göttliche Antwort! Gerade das Zeugnis des Propheten gegen das Volk rief das Zeugnis Gottes für Israel wach. Noch 7000 Mann – eine vollkommene Zahl – hatte Gott übrig bleiben lassen, die ihre Knie vor den Götzen nicht gebeugt hatten. Seine unumschränkte Gnade hatte diesen vollzähligen Überrest bewahrt.

11. Dritter Beweis: So wie es in den Tagen eines Elia gewesen war, war es in den Tagen des Apostels Paulus. « So besteht nun auch in der jetzigen Zeit ____________________________ ______________________________________________ » (Vers 5). Israel als Volk hatte das, was es suchte, nicht erlangt (vergleiche Kapitel 9,31). Die Masse des Volks war verstockt, aber ein von Gott erwählter Überrest hatte es erlangt.

12. Tatsächlich gab es zu jeder Zeit in Israel einen treuen Überrest, so weit sie sich als Volk von Gott entfernt haben mochten. Eben haben wir das Beispiel von Elia und den 7000 Getreuen angeführt. Das war auch der Fall in der Zeit der Wegführung nach Babylon. Denken wir nur an Daniel und seine Freunde am Hof Nebukadnezars. Das war so in der Zeit Esras und Nehemias, als einige Zehntausend in das verheissene Land zurückkehrten. Auch als der Herr Jesus auf die Erde kam, fand Gott einen Überrest in Israel; solche, die «auf Erlösung warteten in Jerusalem» (Lukas 2,38). Zacharias und Elisabeth, die Hirten auf dem Feld, Simeon und Anna, sie alle gehörten dazu (siehe Lukas Kapitel 1 und 2). Auch in der jetzigen Zeit gibt es einen Überrest aus diesem Volk. Zu Anfang des christlichen Zeugnisses kamen viele aus den Juden zum Glauben und wurden der Versammlung oder Gemeinde hinzugetan. So geschieht das heute noch, wenn es auch nur einzelne sind, die aus den Juden zum Glauben kommen. Und auch dann, wenn die Gnadenzeit ihren Abschluss gefunden haben und die Versammlung entrückt worden sein wird, wird es aus Israel einen treuen Überrest auf der Erde geben.

13. Doch aus welcher Zeit ein treuer Überrest auch stammen mag, Gott erwählte ihn nicht aufgrund seiner Werke, sondern aufgrund seiner souveränen Gnade. «So besteht nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Wahl der Gnade. Wenn aber durch Gnade, ____________ ___________________________________________________________________________ _____________________ .» (Verse 5 und 6). Diese beiden Prinzipien – Werke und Gnade – schliessen einander aus. Ein Geschenk kann man sich nicht verdienen. Zum Glück basiert Gottes Erwählung auf Gnade und nicht auf Werken, weil sonst niemand erwählt werden könnte.

«Was nun? ______________________________________________________________ aber die Aus­erwählten haben es erlangt, …» (Vers 7a). Israel beharrte darauf, Gott auf dem Boden des Gesetzes zu dienen, aber es vermochte auf diesem Weg nicht zu erlangen, was es begehrte. Einzig die Auserwählten hatten es erlangt, und zwar auf dem Boden der unumschränkten Gnade Gottes.

14. «… die Übrigen aber sind verstockt (verblendet) worden, wie geschrieben steht: _______ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ _________________ » (Verse 7b und 8). Während die Auserwählten das Heil erlangt haben, indem sie Gott auf dem Boden der Gnade nahten, verfiel die Masse des jüdischen Volkes dem Gericht der Verstockung (oder: Verblendung), weil sie Jahrhunderte lang die Geduld Gottes missbraucht hatten. Als Christus auf die Erde kam, stand Israel zwar nicht mehr im Dienst der Götzen, aber trotzdem waren ihre Augen mit geistlicher Blindheit geschlagen als ein Strafgericht, so dass sie das Licht, das in ihrer Mitte schien, nicht wahrnahmen. Auch das hat das Alte Testament genau vorausgesagt. Paulus führt im 8. Vers ein Wort des Propheten Jesaja (Kapitel 29,10) an und verbindet dieses mit einem Ausspruch Moses (5. Mose 29,3<4>). Und weil Israel nicht auf die Stimme Gottes hören wollte, wurden sie mit geistlicher Taubheit geschlagen. Dieses schreckliche Urteil besteht «bis auf den heutigen Tag».

15. «Und David sagt: _________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ ___________________________________________________________ » (Verse 9 und 10). Hier fügt Paulus noch einen ernsten Ausspruch Davids hinzu (vergleiche Psalm 69,22.23). Auch er hat das Gericht über Israel vorausgesehen. Übrigens ist es beachtenswert, dass wir in den Versen 8-10 ein dreifaches Zeugnis vor uns haben, nämlich aus dem Gesetz, den Propheten und den Psalmen. Der «Tisch» sollte dem Volk «zur Schlinge und zum Fangnetz» werden. Der «Tisch» steht hier wohl für die gesamten Vorrechte und Segnungen, die Israel empfangen hat. Doch was ihnen zum Segen sein sollte, ist Israel zum Verhängnis geworden.

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  Letzte Änderung am 14.09.2006.