Römer 12,9-21  
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Römer 12,9-21

In den jetzt folgenden Ermahnungen berührt der Apostel alle Arten von christlichen Verpflichtungen, und das nicht nur im Blick auf das äussere Verhalten, sondern auch auf den Geist und die Gesinnung, die uns dabei beseelen sollen.

Allen anderen voran, steht die Ermahnung: «Die Liebe sei ungeheuchelt». Liebe ist die Tätigkeit der göttlichen Natur in Güte, und sie soll in den aus Gott Geborenen in dieser Welt zur Darstellung gebracht werden. Ohne Liebe haben die schönsten Gaben wenig Wert. Als zweite Ermahnung folgt: «Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten». Wo ein Herz in wahrer Liebe für Gott schlägt, wird auch eine entschiedene Absonderung von allem Unreinen, ein Verabscheuen alles Bösen gefunden werden. «In der Bruderliebe seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend». Bruderliebe ist eine besondere Art von Liebe, die ihre Quelle in der göttlichen Liebe hat. Aber der Bereich ihrer Ausübung ist enger gezogen; er beschränkt sich auf die Familie Gottes. Petrus spricht von einer ungeheuchelten Bruderliebe (1. Petrus 1,22). Eine unmittelbare Folge der Bruderliebe ist, dass man in Demut den anderen höher achtet als sich selbst und in Ehrerbietung einer dem anderen vorangeht.

Dann erinnert der Schreiber an die herrliche Zukunft, die vor dem Gläubigen liegt: «in Hoffnung freut euch», sowie an die bis dahin am Weg liegenden Beschwerden: «in Trübsal harrt aus», und schliesslich an das nie versiegende Hilfsmittel: «im Gebet haltet an». Dabei werden wir niemals an anderer Not gefühllos vorübergehen, sondern mit offener Hand «an den Bedürfnissen der Heiligen teilnehmen» und «nach Gastfreundschaft trachten».

In den Versen 14 und 15 wird unser Blick darauf gelenkt, wie Christus selbst hienieden gehandelt hat: «Segnet, die euch verfolgen, segnet und flucht nicht. Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden». Unser hochgelobter Herr hat uns darin ein vollkommenes Beispiel gegeben. Er vergoss Tränen tiefsten Mitgefühls über die Stadt voller Mörder, betete für seine Feinde, und seine Liebe liess Ihn an den Freuden und Leiden der Menschen um Ihn her innig Anteil nehmen.

«Seid gleich gesinnt gegeneinander; sinnt nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den Niedrigen; seid nicht klug bei euch selbst» (Vers 16). Auch diese Dinge stehen in unmittelbarem Gegensatz zu unserer natürlichen, hochmütigen Gesinnung.

Der Apostel Paulus schrieb später an die Philipper: «Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war». Wir dürfen gewiss sein, dass er selbst als Vorbild in dieser Gesinnung wandelte. Der Schluss des 12. Kapitels zeigt uns noch einmal, wie sich diese Gesinnung im täglichen Leben in den verschiedensten Situationen auswirkt.

Vor allem geziemt es sich für die Gläubigen, nie sich selbst zu rächen, denn Zorn und Rache gehören Gott. Zu seiner Zeit wird Er vergelten. Unsere Sache ist es, still den Sturm über uns ergehen zu lassen und alles Gott anheim zu stellen. Was Gott weiter von uns erwartet, ist, nicht nur allen Menschen unsere Milde (Nachgiebigkeit) kundwerden zu lassen (Phil. 4,5), sondern auch, von Christus lernend, unseren Feinden Liebe zu beweisen, den Hungrigen zu speisen und den Durstigen zu tränken. Vielleicht gelingt es uns auf diesem Weg, sein Herz und Gewissen zu erreichen. In jedem Fall soll der Christ, seiner neuen Natur folgend, sich nicht von dem Bösen überwinden lassen, sondern sich befleissigen, das Böse mit dem Guten zu überwinden (Vers 21). So erweist er sich als ein Nachahmer des Gottes, der in Christus all das Böse in uns mit tausendfachem Guten überwunden hat, und dessen Freude es ist, so lang der Tag der Gnade noch währt, unaufhörlich nach diesem Grundsatz zu handeln.

1.   In Vers 9 führt Paulus die Liebe als eine Eigenschaft an, die jeden Gläubigen im Umgang mit den Mitgläubigen, ja mit allen Menschen kennzeichnen sollte. Welche Bedingung stellt Paulus an die Liebe?__________________________________________________________

Von dieser Liebe steht in 1. Johannes 4,7, dass sie «aus _____________ » ist. Sie wurde in unsere Herzen ausgegossen durch den ______________________ (Römer 5,5).

2.   Der zweite Teil des 9. Verses spricht für sich selbst. Mit welchem Vers vom 5. Kapitel des Propheten Amos (Verse 14-17) stimmt er beinahe wörtlich überein? _________________ Ein Herz, das mit wahrer göttlicher Liebe erfüllt ist, kann dem Bösen niemals gleichgültig gegenüberstehen, und fühlt sich zu all dem hingezogen, was in den Augen Gottes gut und wohlgefällig ist.

3.   Im 10. Vers spricht der Apostel noch über eine besondere Art von Liebe, nämlich über die ____________________________ . Wozu werden wir in Hebräer 13,1 hinsichtlich dieser Art von Liebe ermahnt? ____________________________________ . Von wem sind wir gelehrt, diese Liebe zu praktizieren? (1. Thessalonicher 4,9): _____________________________________

Wie kann man diese Liebe praktisch zur Ausführung bringen (Römer 12,10b)?____________

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Mit welchen Worten sagt es Paulus in Philipper 2,3b?___________________________________

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4.   Nach der Ermahnung, nicht «säumig» (nachlässig, träge) zu sein, folgt, dass wir « ______ _______________________________ dem Herrn dienen» sollen. Welcher Mann in Apostelgeschichte 18,24-28 war darin ein Vorbild?_____________________________________

5.   In den Versen 12 und 13 folgen drei Ermahnungen, die eng miteinander in Verbindung stehen. «In _______________________ freut euch». Solange wir das Ziel noch nicht erreicht haben, müssen wir in _________________________ ausharren. Um darin standhaft sein zu können, ist es notwendig, dass wir im ________________ anhalten. Dabei dürfen wir die Not anderer nicht vergessen, sondern ________________________________________________ teilnehmen.

6.   In welchen Versammlungen (Gemeinden) hat Paulus eine Sammlung organisiert, um für die Bedürfnisse der Heiligen zu sorgen (1. Korinther 16,1)?___________________________ Eine gesegnete Art von Teilnahme an den Bedürfnissen der Heiligen ist das Ausüben von Gastfreundschaft. Den Aufruf, gastfrei zu sein, finden wir auch in 1. Petrus 4,9. Was steht dort noch zusätzlich? __________________________________________________________ Es muss also von Herzen geschehen. Laut Hebräer 13,2 haben einige, ohne es zu wissen, ____________________ beherbergt.

7.   Vers 14 unseres Kapitels stimmt dem Sinn nach überein mit Lukas 6,27. Kennen Sie einen Märtyrer in der Apostelgeschichte, der sich in diesem Sinn geäussert hat?_________________

8.   Können Sie eine Begebenheit im Johannesevangelium anführen, wo der Herr Jesus «mit den Weinenden geweint» hat?___________________________________________________________________________

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9.   In Vers 16 werden wir ermahnt, «gleich gesinnt zu sein». Bedeutet das, dass man, wie es in der Welt allgemein üblich ist, mit Hilfe von Kompromissen versucht, die Meinungen auf einen Nenner zu bringen? Wenn es um rein irdische Belange geht, mag das angebracht sein. Aber ist das auf geistlichem Gebiet nach Gottes Gedanken? Es interessiert uns, wie Sie darüber denken. Können Sie einige Gedanken darüber zu Papier bringen? ____________________________

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Eine Ermahnung im gleichen Sinn finden wir in Philipper 2,1-3.

10. In welcher Versammlung (Gemeinde) gab es zur Zeit des Apostels Paulus Uneinigkeit? _______________________ . Welche menschliche Eigenschaft führte dazu? (1. Korinther 4,18; 5,2):______________________

11. Wie bringen wir das Gebot: «Vergeltet niemand Böses mit Bösem» mit der wohl bekanntesten Anweisung des mosaischen Gesetzes in Einklang? «Auge um _____________ », «Zahn um ____________ », «Hand um ____________ », «Fuss um ____________ » (2. Mose 21,24) war eine strafrechtliche Bestimmung an die Richter. Der einzelne Israelit war gehalten, sich nicht selbst zu rächen (3. Mose 19,18). In der Bergpredigt sagt der Herr Jesus (Matthäus 5,39): «Widersteht ____________________________________________________________ ___________________________________________________________________________ _______________________________________________________________________ .»

12. Warum steht in Römer 12,18: «So viel an euch ist»?_____________________________

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13. Will Vers 19a wohl sagen, dass jegliche Art von Zorn verkehrt ist? (vergl. Epheser 4,26): ____________ . Bei welcher Gelegenheit war der Herr Jesus in Markus 3,1-6 zornig?

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14. Ein Zorn ist angebracht, wenn nicht unsere Ehre, sondern die Ehre _________________ angetastet wird. Aber selbst in diesem Fall sollen wir nicht im Zorn verharren. In Epheser 4,26b sagt der Apostel Paulus deshalb auch: « ______________________________________ ________________________________________ .»

15. Wenn der Zorn der Menschen sich gegen uns erhebt, sollen wir uns nicht rächen, sondern vielmehr ihrem Zorn Platz bzw. Raum lassen, d.h. seinen Ausbrüchen nicht die Stirn bieten. Gott wird uns Recht verschaffen. Vom Herrn Jesus lesen wir in 1. Petrus 2,23b: ___________________________________________________________________________

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16. Der Christ beschränkt sich nicht darauf, Unrecht, das ihm widerfahren ist, widerstandslos über sich ergehen zu lassen. Vielmehr, wenn seinen Feind hungert, speist er ihn, und wenn er dürstet, tränkt er ihn. Dadurch sammelt er «feurige Kohlen auf sein Haupt» (Vers 20). Was ist wohl unter diesem Ausdruck zu verstehen?________________________________________

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«Sinnt nicht auf hohe Dinge» (Römer 12,16)

(Aus «Botschafter des Heils in Christo» Jahrgang 1865)

Nichts ist geziemender für einen Christen, nichts ist wohlgefälliger vor dem Herrn, als ein demütiges Herz; aber nichts widerstrebt der menschlichen Natur mehr, als demütig, niedrig und gering sein.

Die Geschichte der Gläubigen ist in dieser Beziehung reich an traurigen Erfahrungen, besonders auch in unseren Tagen. Man ist so geneigt, jene ernsten Worte des Apostels: «Sinnt nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den Niedrigen», unbeachtet zu lassen. Ja, wenn wir bei der Mehrzahl der Christen in das Innere des Herzens schauen könnten, so würden wir sehr erstaunt sein, in einem solch hohen Mass ein Trachten nach einer höheren Stellung, nach besseren Verhältnissen, nach grösserem Ansehen, nach schöneren Kleidern usw. zu finden, und wie das Herz durch all diese Dinge mit Unruhe und Sorge erfüllt ist. Ist es da zu verwundern, wenn so viele klagen, dass sie wenig Freude haben, dass das Wort des Herrn und seine Gegenwart sie so wenig erquicke und beglücke?

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  Letzte Änderung am 31.12.2005.